Xhevat Rexhaj: Die Schweiz und Kosova
| E Premte, 27.06.2008, 05:54 PM |

Xhevat Rexhaj
Von: xhevat rexhaj [mailto:xhetare@shlink.ch]
Gesendet: Mittwoch, 5. März 2008 20:18
An: schweiz@thurgauerzeitung.ch
Betreff: Die Schweiz und Kosova

Die Schweiz und Kosova

Von der Schweiz erzählte mein Vater erstmals, als ich sieben Jahre alt war. Da berichtete er von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Er wurde 1941 als Kriegsgefangener der deutschen Wehrmacht von Kroatien (Zagreb) in ein Konzentrationslager nach Oesterreich verschleppt. Aus diesem Lager entkam er in einer stürmischen Nacht mit einigen Mitgefangenen. Nach einem tagelangen Marsch quer durch die österreichischen Alpen gelangten die flüchtigen Kriegsgefangenen nach Liechtenstein und von dort nach St. Gallen. 1942 bis 1945 lebte mein Vater als Internierter in St. Gallen und Kloten. Nach dem Krieg kehrten er und einige Freunde freiwillig zurück nach Kosova.

Mein Vater sprach sehr gut Schweizerdeutsch, dies war für mich der Anstoss, an der Universität Prishtina Vorlesungen in deutscher und auch in englischer Sprache zu besuchen.

Im Zusammenhang der Balkan-Krise, die sich insbesondere ab 1989 abzeichnete, kam ich zusammen mit zahllosen anderen Flüchtlingen in die Schweiz. Vor dieser Zeit machten sehr zahlreiche Gastarbeiter aus Kosova Bekanntschaft mit diesem Land. Diese Gastarbeiter sicherten mit ihren Überweisungen die Existenz ihrer in Kosova verbliebenen Familien. Dank dieser materiellen Hilfe war es in der Zeit der Unterdrückung durch das Regime von Milosevic möglich, ein paralleles Schulsystem und Gesundheitswesen in Kosova aufzubauen und zu unterhalten.

Nach dem Krieg erhielten die Rückkehrer von der Schweiz materielle Hilfe, mit grossen Beträgen unterstützte die Schweiz zudem den Wiederaufbau in Kosova. Für alle ihre Leistungen sind wir der Schweiz und den Schweizern zu grossem Dank verpflichtet!

Fast 10 Prozent der Kosova-Albaner leben und arbeiten in der Schweiz. Diese hat Kosova nunmehr als unabhängigen Staat anerkannt. Dies ist für uns nicht nur ein Anlass zur Freude, sondern auch eine Verpflichtung. Wir Eltern sollten uns stärker um unsere Kinder kümmern, denn wir wollen in der Schweiz ja nicht nur nehmen, sondern auch geben, als loyale Mitbewohner und Bürger dieses Landes.

Danke Schweiz.

Xhevat Rexhaj, Schaffhasuen



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