"Wir haben hier viel Wärme erlebt"
| E Hene, 08.04.2013, 06:44 PM |

Seit fünf Jahren engagiert sich der Verein "Die Sterne Kosovas" für die Integration, jetzt tritt sein Gründer Tahir Shabani ab.

Er ist stolz auf das Erreichte: Tahir Shabani mit einer Auswahl des großen Presseechos auf die Aktivitäten des Vereins. Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. Sein Wahlspruch? Tahir Shabani muss nicht lange überlegen: "Kleine Dinge mit großer Liebe tun", dieser Satz von Mutter Teresa steht für sein Engagement und für das seines Vereins "Die Sterne Kosovas", den der Kosovo-Albaner vor fünf Jahren mitbegründet hat, um die Integration seiner im Bürgerkrieg des damaligen Jugoslawien emigrierten Landsleute voranzubringen. Am Sonntag tritt dessen Vorsitzender zurück ins zweite Glied. Ein neuer Vereinschef muss gefunden werden und Shabani wünscht sich eine Frau oder einen Jugendlichen als Nachfolger. "Die Zeit ist dafür reif", meint er.

Im knapp 60 Mitglieder zählenden Verein stellen die Frauen mit 45 die stärkste Gruppe und Frauen sind auch die aktivsten – "sie haben sich in der Vergangenheit am meisten engagiert", sagt Tahir Shabani. Drei Frauen und zwei Männer arbeiten im derzeitigen Vorstand. "Der Balkan ist eher patriarchalisch geprägt, da ist das schon etwas Besonderes", so der Vorsitzende. Doch Frauen- und Jugendarbeit war von vorneherein ein Schwerpunkt der "Sterne Kosovas" – auch um die Traumatisierung der Kriegszeit zu überwinden – "das zahlt sich nun aus". Tahir Shabani ist stolz, dass viele seiner Landsfrauen inzwischen auch auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefasst haben. Sie arbeiten als Altenpflegerin, Hauswirtschafterin, im Einzelhandel oder besuchen sogar nach Feierabend das Abendgymnasium, um später zu studieren.

Shabani sieht das als Erfolg der Integrationsbemühungen. "Das starke Netz an Unterstützern hat uns dabei sehr geholfen", blickt der 46-Jährige dankbar zurück und nennt die Stadtverwaltung, den Jugendmigrationsdienst der Caritas, Rotes Kreuz, Diakonie, Polizei, die Kirchen und die Schulen, aber auch viele einfache Bürger der Stadt: "Wir sind mit offenen Herzen und Armen empfangen worden und haben hier viel Wärme erfahren" , sagt er im Rückblick.

Gerne erinnert sich der scheidende Vorsitzende an die vielen Veranstaltungen, die gerade in der Zeit des Bürgerkriegs die Völkerverständigung voranbrachten. Die rund 700 Kosovaren im Landkreis pflegten dabei auch stets die eigene Kultur mit Tanz oder Theater. Interkulturelle Frühstücke, internationale Fußballturniere, zuletzt im Dezember eine Kunstausstellung zur Feier der 100-jährigen Unabhängigkeit Albaniens – vielfältig war die Vereinsarbeit in den vergangenen fünf Jahren. Für die "Brückenbauer" und deren "Lokomotive" (Landrat Hanno Hurth) gab es reichlich Lob von offizieller Seite für die erfolgreiche Integrationsarbeit. Bundespräsident Johannes Gauck würdigte das Kunstprojekt des Vereins mit einem persönlichen Brief. Und selbst die Wissenschaft interessiert sich mittlerweile für das gelungene Emmendinger Projekt. Eine Forschungsarbeit an der Universität Regensburg widmet sich im Fachbereich Kulturwissenschaften der "Ethnizität als Konstrukt am Beispiel Tahir Shabanis, einem Kosovo-Albaner in Deutschland".

Dem verheirateten Vater von drei Söhnen, der als Mediengestalter bei einer Freiburger Druckerei arbeitet, ist der Rummel um seine Person nicht so recht geheuer. Er sieht sein Engagement eher als Teamarbeit, bei der die gemeinsame Sache im Vordergrund steht. "Irgendwann einmal wird es keinen Verein mehr dafür brauchen, dann ist die Integration eine Selbstverständlichkeit", hofft er. Am Sonntag bei der Hauptversammlung setzt er auf die nächste Generation. Er selbst will dann nicht mehr in der ersten Reihe stehen, aber dennoch weiter mithelfen, wenn sein Rat gefragt ist.

Auch so bleiben Tahir Shabani, der 1998 über Papenburg nach Emmendingen kam und nun fast die Hälfte seiner Lebenszeit in Deutschland verbracht hat, genügend ehrenamtliche Steckenpferde. Seit sechs Jahren ist er im Elternbeirat des Goethe-Gymnasiums aktiv, er engagiert sich bei den Bildungslotsen im Flüchtlingszentrum und bei der Hausaufgabenbetreuung der Fritz-Boehle-Grundschule. "Es macht einfach Spaß, anderen etwas zurückzugeben", sagt er.

Die "Sterne Kosovas" im Internet: http://www.sterne-kosovas.de.

 

http://www.badische-zeitung.de/emmendingen/wir-haben-hier-viel-waerme-erlebt

 



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